VDE AHG

Erfahrung von Freiheit! – Abiturentlassfeier 2022



Rede von 
Sina Kuipers (VDE)


Wer steht jetzt eigentlich hier am Pult? Ich bin Sina Kuipers, komme aus Ahaus und arbeite seit einiger Zeit bei RADIO WMW. Vor 7 Jahren habe ich auch mein Abitur am AHG gemacht. Ich freue mich, dass ich heute im Namen des Vereins der ehemaligen da sein darf.
Wisst Ihr, was bei solchen besonderen Events das LANGWEILIGSTE ist?
JA, eher die Reden.
Und jetzt steh ich hier kurz vorm Ende und werde noch ne Rede halten. Aber ich verspreche Euch, ich halte mich kurz!
WOBEI - Ich hab hier son paar Begrüßungen stehen, die laut Regieplan jetzt noch reinmüssten. Würde ein bisschen dauern…
ODER wollen wir uns einfach auf ein wirklich Herzliches HALLO ZUSAMMEN einigen
Also - Hallo zusammen!
Liebe Abiturientinnen und Abiturienten!

Herzlichen Glückwunsch zu Eurem Abitur! Ich freue mich für Euch, dass ihr es geschafft habt.

Mit ganz viel Disziplin, Durchhaltevermögen und bestimmt auch engagierten Unterstützung eurer Eltern habt ihr jetzt das Abi in der Tasche! Ihr könnt wirklich sehr stolz auf Euch sein!

Vor 7 Jahren saß ich hier, wie ihr und war aufgeregt wegen allem, was so anstand, natürlich auch vor dem großen Partyabend. Ich war erleichtert, dass all das Lernen jetzt erstmal durch ist. Son bisschen stolz war ich auch schon, aber auch etwas traurig.

Da waren so Fragen wie: Was mache ich dann bald genau? Bleibe ich mit allen so in Kontakt wie jetzt oder verlieren wir uns aus den Augen?

Hätte mir damals jemand gesagt: “Sina, du stehst in 7 Jahren selber hier oben und hältst, im Namen des Vereins der Ehemaligen vom AHG, eine Rede. Ich hätte gelacht.

Vor 7 Jahren wollte ich nach dem ganzen Abistress alles, aber erstmal einfach nix mehr mit Schule zutun haben.

Nachdem Herr Terwolbeck mir damals mein Zeugnis in die Hand gedrückt hat, meinte er: “Und wo gehts für Sie jetzt hin?”

Ich so: “ Erstmal BWL studieren und dann ein Team leiten oder so.”

Zum Glück bin ich dann nochmal in mich gegangen, hab gemerkt Mathe ist nix für mich und hab meinen Weg zum Radio und zum Moderieren gefunden.

Und vor kurzem habe ich auch den Weg zum AHG über den Verein der Ehemaligen wiedergefunden.

Ich habe gemerkt, dass es hilft, mit Menschen, die Ihre Wurzeln am selben Ort, an derselben Schule haben, in Kontakt zu sein. Egal ob einfach zum Austausch oder vielleicht auch für die Karriere.

Ihr - liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

freut Euch wahrscheinlich gerade einfach auf eure fette Party nachher! Ich gönne es Euch von Herzen.

Ihr habt euer Abitur mit Pandemie inklusive geschafft. Wart viel auf Euch gestellt, hattet vielleicht nicht so das ZUSAMMEN SEIN wie andere Abijahrgänge. Deshalb hoffe ich, dass ihr Euch heute alle genießt!

Und im September könnt ihr euch dann alle bei der großen Ehemaligen-Party schon wieder sehen wenn ihr Lust habt. Am 16. September ab halb 8 gehts im Logo los.

Der Verein würde sich freuen, wenn Ihr mit anderen Ehemaligen in Kontakt bleiben wollt. Euch vernetzen wollt. Dann könnt ihr jederzeit auf uns zukommen und Mitglied werden. Der Verein der Ehemaligen bietet wirklich einfach ein lockeres Forum, informiert regelmäßig mit Newslettern, über das, was am AHG und in Ahaus so abgeht. Außerdem seit ihr damit immer auf dem Stand, was andere Ehemalige so machen und welche wichtigen Termine es so gibt.

Überlegts Euch und meldet Euch gerne! Ich wünsche euch jetzt alles alles Gute für eure Zukunft! Nur das Beste für eure Familie und lassts heute Abend krachen!

Vielen Dank für Eure und Ihre Aufmerksamkeit!

Zur Ehrung der Jahrgangsbesten:

Jetzt ist die Rede eigentlich durch - aber ich hab mir sagen lassen. Es ist Tradition geworden, dass der Verein der Ehemaligen auch die Jahrgangsbesten noch ehrt.

Deshalb hab ich hier zwei kleine Geschenke UND wir nehmen die Jahrgangsbesten für 5 Jahre kostenlos in den Verein auf.

Deshalb freue ich mich jetzt, auf Darius Hörst und Mathis Gesing hier bei mir auf der Bühne!


Rede des Beratungslehrers Manfred Nollmann


Sehr geehrte Gäste, sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Voß, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr ge- ehrte Eltern – und natürlich: liebe Abiturientinnen und Abiturienten!
„ABIlymp – die Götter verlassen die Schule“. 
Eines zeigt das von Euch gewählte Abi-Motto ohne Zweifel: An Selbstbewusstsein scheint es Euch nicht zu mangeln. Aber da seid Ihr in guter Gesellschaft, wenn man nur einen Blick auf die Wahlsprüche der letzten Jahre am AHG wirft. Im Jahr 2017 lautete es „Last 90‘s Generation. Nach uns kommen nur noch Nullen!“, und drei Jahre später, im Jahr 2020: „Die Goldenen Zwanziger – Mit uns der Boom, nach uns der Abschwung!“ Und in diesem Jahr also die Götter des Olymp, die heute ihren Exodus antreten und das Alexander-Hegius-Gymnasium zu einem gottverlassenen Ort machen.
Man ist geneigt, sich im Kopfe ein „Who’s Who“ der olympischen Götter in Eurer Jahrgangsstufe vorzustellen. Wer mag die Aphrodite sein, die Schönste? Wir sollten die Frage besser offen lassen und nicht zu sehr vertiefen. Denn – das lehrt letztlich die antike Mythologie – diese Frage führt nur zu Zank, Streit und Krieg. Wer mag für die Athene stehen, die Göttin, die die Weisheit verkörpert? Im Laufe der heutigen Zeugnisausgabe und bei den statistischen Daten werden wir erfahren, dass in der diesjährigen Abitur- stufe des AHG viel Wissen und Klugheit zu finden ist und dass Ihr auf Eurem Weg zur Weisheit einen beträchtlichen Schritt nach vorn gemacht habt. Und wer könnte den Dionysos abgeben, den Gott des Weines, und seinen Begleiter Silenos, der sich im Zustand dauernder Volltrunkenheit befindet und größte Probleme hat sich auf den Beinen zu halten? Ich hoffe nicht, dass jemand diese Götter als Vorbild anstrebt oder heute Abend versucht, es diesen Olympiern gleich zu tun.

Man merkt es schnell, wenn man nur einen vertiefenden Blick in die antike Mythologie wirft: Die Olympischen Götter sind keine perfekten Wesen. Im Gegenteil. Die Menschen der Antike stellten sich ihre Götter halt wie Menschen vor, mit all den Eigenschaften, die die Menschen nun einmal kennzeichnen. Und so herrschte auch im Olymp oftmals ein kunterbuntes Durcheinander von Eifersucht, Streit und Zorn, aber ebenso Mitleid, Liebe und Zuneigung. Götter sind halt auch nur Menschen – könnte man sagen. Und vor diesem Hintergrund relativiert sich dann auch der eingangs von mir suggerierte Vorwurf, es grenze an übertriebenem Selbstbewusstsein, sich mit den Olympiern vergleichen zu wollen.

Aber Euer Motto mit den Göttern, die nun einen Ort verlassen, erinnert mich an etwas anderes, an ein Buch, das zu lesen ich in den vergangenen Monaten der Pandemie Gelegenheit hatte. Es stammt von einem italienischen Autor namens Alessandro Baricco (man muss ihn nicht unbedingt kennen), sein Titel lautete „So sprach Achill“, und der Untertitel „Die Ilias nacherzählt“ deutet schon an, worum es sich handelt: eine Nacherzählung von Homers Ilias und den jahrelangen Kämpfen um Troja.

Nun mag man einwenden: Das ist ja nichts Besonderes, Nacherzählungen der Ilias gibt es Dutzende, wenn nicht gar Hunderte. Aber Baricco hatte etwas gemacht, was an das von Euch gewählte Motto erinnern lässt: Die Götter hatten seinen Buch verlassen. Alles, was da vor den Mauern Trojas geschah, war ausschließlich das Handeln der Helden und Heroen, kein einziger Hinweis auf die olympischen Götter. Keine Athene, die dem Odysseus die geniale Idee mit dem hölzernen Pferd einflüsterte; kein Apollon, der den von Paris abgeschossenen Pfeil so lenkte, dass er den Achill tatsächlich an der ver- wundbaren Stelle traf, an seiner sprichwörtlichen Achillesferse; kein Zeus, der ein Machtwort sprach, wenn im Olymp der Streit und das wilde Tohuwabohu unter den Göttern überhandnahmen.

Baricco bietet eine spannende Erzählung – die Ilias ohne die Götter –, aber aus Sicht der Antike ist das eigentlich unmöglich. Ein von den Göttern verlassener Ort – eigentlich undenkbar. Wie sehr die Allgegenwärtigkeit der Götter das Denken der Menschen in der griechischen Antike prägte, zeigt wohl nichts so vortrefflich wie eine Anekdote, die der griechische Philosoph Aristoteles über einen anderen Philosophen, Heraklit, berichtete: Heraklit stand in der Küche seines Hauses und wärmte sich die Hände am Ofen und sprach Gästen, die ihn besuchen wollten, die aber zögerten einzutreten, ein ermutigendes „Tretet ein, auch hier sind die Götter“ zu.

Germanisten werden schnell erkannt haben, dass es das Motto ist, das Lessing seinem Drama „Nathan der Weise“ voranstellte. Für die Griechen zeigt sich hier, dass eine Welt ohne Götter undenkbar war, dass das Verhältnis der Menschen zum Göttlichen ein vertrautes war, dass die Götter nicht etwa unerreichbar und unzugänglich waren, sondern dass jeder Ort und Augenblick des Lebens vom Kontakt zu den Göttern gekennzeichnet war, dass selbst der häusliche Herd als Sitz der Gottheit gedacht wurde – kurzum, dass die Götter einen Ort nicht verlassen konnten.

Doch allen Gottesvorstellungen der griechischen Antike zum Trotz – Ihr werdet diesen Ort, besser gesagt, unsere Schule, das AHG, unweigerlich verlassen. Und wir bleiben – aber mit dem guten Gefühl, dass neue Generationen von Olympiern nachrücken und es Euch gleichtun.

Doch bevor es so weit ist, steht noch ein Punkt an, der auch den Olympiern vertraut war: die Danksagung – Dank dafür, dass wir bis zum heutigen Tag gekommen sind. Dank gilt der Schulleitung, namentlich Herrn Hilbk und Herrn Vogel sowie Herrn Sondermann als Oberstufenkoordinator. Dank gilt natürlich dem gesamten Kollegium, das Euch in Euren Jahren hier am AHG begleitet hat, besonders natürlich den Beratungslehrern, die in den drei letzten Jahren Eure Begleiter waren. Da ist zum einen Frau Dr. Olthues, die bis zum letzten Frühjahr fester Bestandteil des Beratungslehrerteams war, nun aber andere Pflichten und Aufgaben am AHG übernommen hat; da ist zum anderen Herr Schwietering, dem mein besonderer Dank gilt für seinen unermüdlichen Einsatz für Eure Jahrgangsstufe in wirklich allen Dingen und ohne den ich mir die Betreuung Eurer Jahrgangsstufe gar nicht vorstellen könnte.

Ich komme zum Ende und zu den guten Wünschen für die Zukunft und wage den Spagat von den homerischen Göttern, die den Olymp bewohnen, hin zu der einer ganz anderen Gottesvorstellung der Antike, nachzulesen in Ciceros Werk „Vom Wesen der Götter“. Im Schlusswort des zweiten Buches dieses fiktiven Dialogs schildert einer der Gesprächsteilnehmer die stoische Götterlehre und betont da- bei besonders die Fürsorge der Götter für die Menschen und für die Allgemeinheit. Dass Ihr mit dem Abitur als Rüstzeug diesen Weg beschreitet und nach dem Verlassen der Schule Euren verantwortungsvollen Beitrag für diese Welt und Gemeinschaft, in der Ihr lebt leistet, wünsche ich Euch von Herzen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Hegius Büste 2016